Vom 1. bis zum 23. Oktober 2005 war auf dem Martin-Luther-Platz täglich von 7 bis 18 Uhr die Installation "KlangRaum" zu sehen und vor allem zu hören. Die Arbeitsgemeinschaft Bildende Kunst und der Bereich Kulturförderung des Kultur- und Freizeitamtes haben dieses und ein weiteres Projekt aus 29 Arbeiten ausgewählt. Vorausgegangen war eine Ausschreibung, die sich an lokale und regionale Künstlerinnen und Künstler richtete und die mit der Aufgabenstellung verbunden war, sich mit dem Martin-Luther-Platz und seiner Problematik auseinanderzusetzen. Nehmen Sie sich zwölfmal vier Minuten Zeit...


Gruppe G.M.P

KlangRaum Martin-Luther-Platz


Die Installation KlangRaum möchte gegen den Verkehrslärm auf die lebendige Geschichte des Platzes verweisen, auf seine Funktion als Marktplatz, Holzmarkt und Mitte der historischen Altstadt. Sechs Lautsprecher, über den Platz verteilt, erinnern mit jeweils eigenständigen Themen an das Markttreiben mit Menschen und Tieren und an das traditionelle Handwerk. Man hört das Fließen eines Brunnens, weltliche und geistliche Texte vor dem ehemaligen Rathaus und der Altstädter Kirche. Mit Abschwellen des Verkehrs werden die Geräusche und Klänge hörbar, bei dessen Anstieg verschwinden sie wieder. Der Verkehrslärm wird sie immer nur für Momente hörbar werden lassen; er wird sie übertönen, aber nicht zum Verstummen bringen.

[01] Vorankündigung
Vom 1. bis zum 23. Oktober 2005 wird auf dem Martin-Luther-Platz täglich von 7 bis 18 Uhr die Klanginstallation "KlangRaum" zu sehen und vor allem zu hören sein.

[02] Eröffnung
Ausschnitte aus der Eröffnungsrede des Erlanger Kulturreferenten Dr. Dieter Rossmeissl vom 1. Oktober 2005 aus dem Foyer des Stadtmuseums Erlangen am Martin-Luther-Platz.

Über den Martin-Luther-Platz verteilt, befanden sich sechs Boxen mit Lautsprechern. Box_1 stand auf dem Balkon der Tagespflege neben der Kirche, es waren Ausschnitte aus der Bußpredigt zum 50. Jahrestag der Brandkatastrophe zu hören. Box_2 war versteckt installiert an der Decke des Buswartehäuschen auf der Westseite des Platzes mit Geräuschen von Handwerkern aus dem Mittelalter. Box_3 befand sich ebenfalls auf der Westseite des Platzes nahe an der Pfarrstraße beim Löwen und plätscherte als Brunnen vor sich hin. Box_4 stand auf dem Balkon am Stadtmuseum, dem früheren Rathaus der Altstadt Erlangen, und es erklangen von dort Verordnungen aus der Zeit des Barock. Box_5 war direkt vor dem Eingang zum Stadtmuseum aufgestellt (siehe Foto). Das Geräusch von Schritten sollte die Besucher auf das Projekt aufmerksam machen. Box_6 versteckte sich im anderen Wartehäuschen auf der Ostseite bei der Kirche (s. Foto). Hier war es immer wieder schön zu beobachten, wie Wartende von dem plötzlichen einsetzenden Schafsgeblöke überrascht wurden. Die Klänge aus den Boxen ertönten nur sporadisch, dazwischen waren Pausen von mehreren Minuten und der Klang ging teilweise im Verkehrlärm unter. Hier können Sie eine verdichtete, musikalisch unterlegte Interpretation hören.

[03] Box_1 Sakral
Das Bildnis des Menschen und seine Ueberschrift: Ausschnitt aus der Predigt von Pfarrer Caspar Jakob Huth, 1769.

[04] Box_2 Handwerk
Handwerkermarkt: Holzhacker, Schmied, Drescher, Musik und Besucher, eine Pferdekutsche zieht vorbei.

[05] Box_3 Brunnen
Brunnen: ab und zu brüllt der Löwe auf dem Martin-Luther-Platz.

[06] Box_4 Profan
Stadtverordnungen um 1750: Almosenverordnung, Feuerordnung.

[07] Box_5 Schritte
Schritte: Momente der Kontemplation.

[08] Box_6 Markt
Tiermarkt: Gänse, Hühner, Schafe und Schweine, eine Pferdekutsche zieht vorbei.

Während der dreiwöchigen Dauer der Klanginstallation gab es verschiedene Veranstaltungen. Sie konnten schon Ausschnitte aus der Eröffnungsveranstaltung hören [02]. Am 15. Oktober erläuterte eine Veranstaltung auf dem Platz Hintergründe zum Projekt [09]. Zur Langen Nacht der Wissenschaft lief das Projekt bis spät in die Nacht [10]. Sie erhalten einen Eindruck der Klanginstallation auf dem Martin-Luther-Platz, wie sie im Lärm des Verkehrs untergeht und wieder auftaucht.

[09] Texte
Ausschnitte aus der Aktion der Baulust Nürnberg am 15. Oktober 2005 auf dem Martin-Luther-Platz.

[10] Lange Nacht
Lange Nacht der Wissenschaft: Zur "Langen Nacht der Wissenschaft" am 22. Oktober 2005 lief KlangRaum bis 1 Uhr nachts (Live-Aufnahme).

[11] Ausklang
Alles geht zu Ende. Der "KlangRaum" am Martin-Luther-Platz ist abgebaut, aber in den Köpfen schwingt es weiter. Leise zunächst...

[12] LAUT!
...dann lauter. Das Projekt "KlangRaum" wird fortgesetzt: schon bald wissen wir mehr...

Wir danken dem Kultur- und Freizeitamt, dem Citymanagement, der Firma Heinlein, dem Heimat- und Geschichtsverein, dem Stadtarchiv, dem Stadtmuseum, den Erlanger Stadtwerken, der Baulust Nürnberg und der Arbeitsgemeinschaft Bildende Kunst für ihre Unterstützung.


Werner Geim Landschaftsarchitekt aus Eckental
Klaus Meinetsberger Architekt aus Erlangen
Michael Pfisterer Konzeptkünstler aus Nürnberg


www.g-m-p.eu/klangraum