Stadtforscherhaus Erlangen Lazarettstraße 3/5

Klaus Meinetsberger

Die denkmalpflegerische Voruntersuchung in den Jahren 2012 und 2013


Von September 2012 bis September 2013 hat im Stadtforscherhaus die denkmalpflegerische Voruntersuchung stattgefunden. Ziel dieser Untersuchung ist es, mehr über das Gebäude, seine Baugeschichte und seinen aktuellen Bauzustand, zu erfahren. Zu diesem Zweck ist ein ganzes Team verschiedener Büros unterstützt von Mitgliedern unseres Vereins über einen Zeitraum von einem Jahr tätig gewesen, um Erkenntnisse über das Stadtforscherhaus zusammenzutragen. Nachfolgend finden Sie die Beteiligten in der Übersicht. Unterstützt haben uns dabei die Vereinsmitglieder Käthe Gegner-Kienzle, Ulrich Hauke, Heidi Pfeufer, Peter Salm und Pia Tempel-Meinetsberger. Weitere Mithelfer, auch für die folgende Bauphase, sind herzlich willkommen. Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte in der Geschäftsstelle. Die Arbeiten dauern auch nach Abschluss dieser ersten Phase an und wir werden weiter darüber berichten. Die folgende Beschreibung stützt sich auf die Ergebnisse der vorgenannten Untersuchungen.


Dendrochronolgische Untersuchungen:
Georg Brütting, M.A. aus Ebermannstadt
www.dendroscan.de

Restauratorische Untersuchung:
Dipl.-Restaurator Jan Brünner aus Erlangen

Statische Untersuchung und Bauschadenserfassung:
Dipl.-Ing. Peter Schorr vom Ingenieurbüro Trafektum aus Nürnberg
www.trafektum.de

Verformungsgerechtes Aufmaß:
Klaus Meinetsberger, Architekt aus Erlangen unter Mitwirkung von Karin Schiller, dem Architekten Klemens Heinl und unseres Vereinsmitglieds, der Architektin Monika Kuschel


In der Denkmalliste ist das Anwesen als Kleinhaus, erdgeschossig, um 1740; Teil einer Hausgruppe über der spätmittelalterlichen Befestigung der Altstadt geführt worden. Seit dem die Ergebnisse der denkmalpflegerischen Voruntersuchung vorliegen heißt es dort nun Kleinhaus, dendro. dat. 1669/70, Erweiterungen dendro. dat. 1718/19 und 1753/54. Die Baugeschichte stellt sich in kurzen Zügen wie folgt dar: Um 1670 wird ein Kleinhaus, das einseitig auf der Stadtmauer aufsitzt, errichtet. Dieses Haus ist kürzer als das heutige Gebäude mit den Hausnummern 3 und 5. Der westliche Raum dieses kürzeren Gebäudes hat eine, heute noch vorhandene Balken-Bohlen-Decke. 1706 wird das Haus noch unter einer Flurnummer in der Hausnummernkartei des Stadtarchivs geführt. Um 1720 wird das Haus nach Westen erweitert. Ein Fenster im Westgiebel dieses Anbaus weist darauf hin, dass das heute direkt angrenzende Haus Nummer 1 zu diesem Zeitpunkt noch nicht gestanden haben kann. Eine Stadtansicht von 1732 unterstützt diese Annahme, dort ist kein angrenzendes Gebäude zu sehen. Somit könnte der eingangs erwähnte Eintrag in der Denkmalliste um 1740 für das Nachbarhaus Nummer 1 durchaus zutreffend sein. Ein umfangreiche Veränderung erfährt das Anwesen um 1755. Es wird 1754 in zwei halbe Häuschen geteilt. In der Folge dieser Teilung wird im östlichen Teil ebenfalls eine Balken-Bohlen-Decke eingezogen. Eine heute noch vorhandene Erweiterung nach Osten konnte wegen des des schlechten Bauzustandes bisher nicht datiert werden.


Das Gebäude ist als Fachwerkkonstruktion errichtet und erweitert worden, wobei die nördliche Außenwand im unteren Teil von der spätmittelalterlichen Stadtmauer gebildet wird, auf der Holzstempel stehen, die die Dachkonstruktion tragen. Im Innern sind seit etwa 1850 mehrere Vorsatzschalen eingebracht worden. Zunächst aus hochkant vermauerten Ziegeln, deren unterschiedliche Formate eine ungefähre Datierung zulassen. So werden einerseits Ziegel im ungenormten Klosterformat (gemessen ca. 27cm x 13cm x 6,5cm; vor 1870) und im alten Reichsformat (ca. 25cm x 12cm x 6,5cm; seit 1872 gesetzlich festgelegt) verwendet. Das heutige Erscheinungsbild geht auf die Bauphase von 1938 zurück. Es werden viele Wände mit den damals neuen (Normung 1938) Holzwolle-Leichtbauplatten (sog. Heraklithplatten) verkleidet. Auch die Balken-Bohlen-Decken werden in dieser Bauphase verkleidet. Hintergrund ist der zeitgleiche Bau der gegenüberliegenden Batteriefabrik, für die die Räume im Haus Lazarettstraße 3/5 als Büros hergerichtet werden. Viele Fenster und auch die Fußböden gehen auf diesen Umbau zurück. Danach werden keine großen Umbauten mehr durchgeführt. Eine Innenwand wird in den 1970er Jahren erneuert und die Südfassade wird mit Keramik-Riemchen verkleidet. Die letzte Renovierung lässt sich anhand von Zeitungsauschnitten unter den Tapeten auf 1999 datieren.


Diese erste Untersuchung zur Baugeschichte ergibt jedenfalls, dass das Haus in der Lazarettstraße für Erlangen eine besondere Bedeutung hat. Es ist eines der wenigen Häuser, wenn nicht sogar das einzige innerhalb der Stadtmauer um die Altstadt Erlangen, die den großen Stadtbrand von 1706 überstanden haben und das bis heute noch steht. Leider zeigt die Untersuchung des Tragwerks und der Bauschäden, dass das Gebäude in einem schlechteren Zustand ist als zunächst angenommen. Insbesondere ist die Stadtmauer, die das nördliche Fundament des Stadtforscherhauses bildet und sich im Besitz der Stadt Erlangen befindet, langfristig nicht mehr standsicher. Die Neigung beträgt teilweise bereits einige Grad. Eine Instandsetzung des Hauses kann daher erst begonnen werden, wenn die Stadtmauer hergerichtet ist. Von Seiten der Stadt ist bereits eine Untersuchung in Auftrag geben worden, deren Ergebnisse mittlerweile vorliegen. Der Stadtrat hat die vorzeitige Durchführung dieser Maßnahme und die Bereitstellung von Mitteln mit großer Mehrheit beschlossen und die Planung für die Stadtmauer kann anlaufen. Die Baumaßnahmen, die auch das Stadtforscherhaus betreffen werden, sollen 2015 durchgeführt werden. Erst danach kann mit den eigentlichen Bauarbeiten im und am Haus selbst begonnen werden.


Die beiden halben Häuschen in der Lazarettstraße können als sog. Arme-Leute-Häuschen bezeichnet werden. So haben wir vielfach Reparaturen der Bausubstanz vorgefunden, die nur provisorischen Charakter haben. Viele Teile der Holzkonstruktion in Dach und Wand weisen Feuchtigkeitsschäden aus vergangenen Tagen auf; aktuell ist das Haus trocken. Teilweise können diese Schäden durch Austausch von Teilen behoben werden. Um jedoch nicht zuviel der historischen Substanz zu zerstören und auch um diesen provisorischen Charakter, der typisch für dieses Kleinhaus ist, zu erhalten, sollen die Deckenbalken an zwei Überzügen aufgehängt werden. Damit können die Balkenauflager in ihrem beschädigten Zustand verbleiben. Auch die Kosten für die Instandsetzung der Deckenstatik werden damit niedriger ausfallen. Insgesamt haben sich die Kosten auf der Grundlage der vorliegenden Untersuchung gegenüber ersten groben Schätzungen jedoch verdoppelt. Noch sind viele Stellen nicht deutlich sichtbar und weitere Überraschungen nicht ausgeschlossen.


Die an der Südfassade angebrachte Riemchen-Verkleidung hat zwar das Haus in den letzten Jahrzehnten von außen vor der Witterung geschützt; jedoch leidet die darunterliegende Fachwerkwand unter der von innen anfallenden Feuchtigkeit und Teile des Fachwerk haben sich bereits völlig aufgelöst. Eine genaue Untersuchung kann erst nach dem Entfernen der Verblendung erfolgen. Wegen der zeitlichen Verzögerung durch die Instandsetzung der Stadtmauer soll die Fassadenverkleidung erst im Lauf des Jahres behutsam entfernt werden. Erste Befunduntersuchungen zeigen, dass dieses Haus ursprünglich ein sichtbares Fachwerk gehabt hat. Es ist beabsichtigt, dieses wieder herzustellen. Damit soll auch der Gegensatz einer mittelalterlichen Anmutung der Altstadt Erlangen aus der Zeit vor dem Brand von 1706 gegenüber der danach im damals modernen Barockstil neu errichteten Stadt wieder sichtbar gemacht werden.


Soweit ein erster Eindruck der Ergebnisse der denkmalpflegerischen Voruntersuchung. Es liegen jetzt, neben den Untersuchungsberichten, detaillierte Pläne im Maßstab 1:25 vor, mit deren Hilfe das weitere Vorgehen erfolgen soll. Die Forschung über das Gebäude wird weitergeführt durch Archivrecherche und Baualterspläne. Eine Visualisierung soll die Ergebnisse aufzeigen. Die Planung zur zukünftigen Nutzung als Stadtforscherhaus und deren Abstimmung mit den zuständigen Ämtern, insbesondere der Denkmalpflege, wird in diesem Jahr fortgesetzt. Das Haus wird wieder zum Tag der Altstadt und zum Tag des offenen Denkmals geöffnet werden. Wir werden weiter über den Fortgang berichten. Besuchen Sie dazu auch die Internetseite über das Stadtforscherhaus:



www.stadtforscherhaus.de